Arbeitssituation der Ärzte
Schild Landarzt gesucht

Kein Grund zur Entwarnung

Arbeitssituation der Ärzte wird „schöngeredet“


St. Pölten (OTS) - „Die am vergangenen Mittwoch vorgestellten Zahlen über die Arbeitszufriedenheit der Ärzte in Niederösterreich passen bei weitem nicht mit der Interpretation der Ärztekammer und der meisten Medien zusammen“, erkennt MR Dr. Herbert Machacek, Abgeordneter im Landtag (BürgerLandtag) und selbst Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag. „Wenn 46 Prozent der Spitalsärzte und 60 Prozent der Kassenärzte mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden oder sehr unzufrieden sind, dann sind Jubelmeldungen fehl am Platz“, so Dr. Machacek weiter.

Arbeitszufriedenheit von 2013 auf 2016 gesunken

„Auch die Entwicklung ist negativ“, weiß die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn (BürgerLandtag). „Dieser Prozentsatz für die Kassenärzte hat sich laut Ärztekammer seit 2013 von 57 Prozent auf 60 Prozent verschlechtert, der Prozentsatz für Spitalsärzte von 40 Prozent auf 46 Prozent. Wenn man als Arzt in Niederösterreich dann auch noch Schlagzeilen liest, wonach die Ärzte in NÖ mit ihrer Arbeitssituation zunehmend zufrieden seien, dann fragt man sich berechtigt, was diese Schönrederei soll“, so Dr. Von Gimborn.

Zahlen ernst nehmen und nicht schönreden

Eine vor mehreren Wochen durchgeführte ähnliche Befragung des NÖ Ärzteverbandes hatte ergeben, dass 48 Prozent der Ärzteschaft mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden oder sehr unzufrieden sind. „In dieser Umfrage wurden die verschiedenen Ärztegruppen nicht getrennt, der Rücklauf war jedoch etwa doppelt so hoch wie bei der Befragung der Ärztekammer“, erläutert Dr. Machacek. „Wesentlich ist jedoch der Befund, wonach sich für 54 Prozent der Ärzte in Niederösterreich die Arbeitssituation in den vergangenen drei Jahren verschlechtert hätte. Diese Zahlen müssen ernstgenommen und dürfen nicht schöngeredet werden“, so Dr. Machacek.

Um Lösungen anzubieten, muss man Probleme erkennen

„Und die Nachwuchsprobleme bestätigen diesen Negativtrend auch“, meint Dr. Von Gimborn. „Wenn wir eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen wirklich zu vermelden hätten, dann könnten wir auch problemlos die Stellen im öffentlichen Gesundheitssystem besetzen.“ Doch da herrscht bereits eine alarmierende Situation, die in den kommenden Monaten immer dramatischer werden wird. „So wundert es mich auch nicht, dass seitens der Ärztekammer keine Vorschläge zu vernehmen waren, wie man die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem verbessern könnte. Wer das Problem nicht erkennt, der wird auch keine Lösungen anbieten“, so das traurige Resümee von Dr. Von Gimborn.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160715_OTS0018/arbeitssituation-der-aerzte-schoengeredet