Die Systemebenen

B Die Systemebenen

B1 Krankenhäuser

            Strukturänderung (Grundversorgung und Schwerpunkte neu definieren)

            Umbau eines Teils der Betten in Pflegebetten/Akutgeriatrie

            Keine (Teil)Privatisierung, keine private Einmietung in öffentlichen Krankenhäusern

Um das System auch in Zukunft finanzierbar zu halten, ist eine Strukturänderung der Krankenhäuser unvermeidbar. Im Hinblick auf die bestehenden Krankenhäuser müssen Maßstäbe entwickelt und angesetzt werden, die für alle verbindlich sind. Bau oder Abbau von Abteilungen oder ganzen Krankenhäusern darf nicht mehr überwiegend nach politischer Willkür erfolgen, sondern muss den zu entwickelnden Maßstäben verpflichtend folgen. Die Zahl der Betten muss reduziert werden, der entstehende Engpass muss durch einen Umbau im Pflegebetten (eins zu eins) geschehen. Wir sprechen uns klar gegen Privatisierungstendenzen in den Krankenhäusern aus. Den Betrieb von Krankenhäusern durch gewinnorientierte Organisationen lehnen wir ebenso ab wie die die Vermietung von Teilen der Krankenhäuser. Krankenhausärzte sind ausschließlich als Dienstnehmer anzustellen (Arbeitsmittel werden gestellt, Arbeitszeitgesetz ist verpflichtend, etc.).

 

B2 Niedergelassene Kassenärzte

            Kooperationsformen aller Art auch im Kassensystem ermöglichen

            DMP überarbeiten und ausweiten, neue Leistungs- und Honorarpositionen

            Kostendeckende, betriebswirtschaftlich kalkulierte Honorare in allen Fächern herstellen      

Kooperationsformen aller Art sind nicht nur wie bisher gesetzlich zu ermöglichen, sondern als verpflichtender Bestandteil der Kassenverträge einzuführen. Parallelarbeit muss ebenso wie Vertretungstätigkeit uneingeschränkt ermöglicht werden. Die Anstellung von Ärzten bei Ärzten im Kassensystem muss ermöglicht werden. Die Leistungs- und Honorarkataloge müssen umgebaut, vereinfacht und erweitert werden. Selbstverständlich wie bereits erwähnt unter den Geboten der Einheitlichkeit und Kostenrechnung. DMP (Disease-Management-Programme) müssen überarbeitet, bürokratie-„entschlackt“ und weiterentwickelt werden. Eine betriebswirtschaftliche Kalkulation hat in allen Fächern und auf allen Ebenen zu erfolgen.

 

B3 Wahlärzte

            Vereinfachung der Abrechnung

            Einführung „echte“ 100%-Regel

            Ermöglichung an Teilnahme am Bereitschaftsdienst bei direkter Abrechnung mit GKK

Wahlärzte decken mittlerweile einen versorgungsrelevanten Teil der Medizin im niedergelassenen Bereich ab. Das Wahlarztsystem als Alternative, wenn der Patient etwas mehr als die „notwendige“ Versorgung im Kassenbereich erhalten möchte, ist unbedingt beizubehalten. Die Abrechnung muss jedoch vereinfacht und auf die echte 100%-Regel (Patient bekommt 100 Prozent dessen zurück, was die Kasse für die gleiche Behandlung beim Kassenarzt gezahlt hätte) umgestellt werden. Wahlärzten muss es ermöglicht werden, auf freiwilliger Basis bei direkter Abrechnung mit der GKK in die Wochenenddienstregelung aufgenommen zu werden.

 

B4 Notarztsystem

            Stützpunkte müssen 10 Minuten Maximalzeit für 100 Prozent sicherstellen

            Ausbau der Einbindung der Allgemeinmediziner auf freiwilliger Basis und gegen Bezahlung

            Keine (Teil)Privatisierung, Notärzte wie Krankenhausärzte NUR als Dienstnehmer

            (Arbeitsmittel werden gestellt, Arbeitszeitgesetz ist verpflichtend, etc.)

ALLE Menschen in Niederösterreich müssen innerhalb von 10 Minuten Maximalzeit durch einen Notarzt zu versorgen sein. Eine Versorgung von 95 Prozent innerhalb von 20 Minuten bedeutet ein unvertretbares Sicherheitsrisiko für etwa 100.000 Menschen und wird daher von uns abgelehnt. Neben den durch die landesweite Struktur angestellten Notärzten muss es auch den für die notärztliche Tätigkeit befugten niedergelassenen Allgemeinmedizinern besser als bisher möglich sein, sich im Falle eines Einsatzes – zusätzlich zum Notarzt im Hauptdienst - alarmieren zu lassen, um die gegebenenfalls deutlich schnellere Erreichbarkeit im Sinne des Notfallpatienten auszunutzen. Diese zusätzliche Bereitschaft muss honoriert werden. Notärzte im Hauptdienst sind zwingend anzustellen, Arbeitsmittel sind daher zu stellen und die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen sind verpflichtend einzuhalten.

 

B5 Medikation/Apotheken

            Ökonomierichtlinien (EKO) intramural/extramural ZWINGEND anpassen bzw. einhalten,

            auch bei Wahlarztrezepten, sonst NUR auf eigene Kosten

            Medikation Wochenenddienst Lösung mit Apotheken

            Honorarposition „Medikamentenmanagement“ ggf. mit Apotheken

Für die Verschreibung und Bewilligung von Medikamenten muss auf allen Systemebenen das gleiche, verpflichtende Regelwerk gelten. Es ist medizinisch und ökonomisch vollkommen unsinnig, im Spital und in der Niederlassung vollkommen unterschiedliche Ökonomierichtlinien auszuführen. Der Erstattungskodex (EKO) samt Bewilligungslauf muss zwingend auch in den Spitälern gelten. Wahlarztrezepte, die nicht dem EKO entsprechen, dürfen nicht aus Kulanzgründen abgegeben und nachträglich bewilligt werden, sie dürfen jedoch auf dessen eigene Kosten dem Patienten abgegeben werden. Gemeinsam mit der Apothekerschaft müssen sinnvolle Lösungen für die Medikation bei Wochenenddiensten entwickelt werden. Für Patienten mit Mehrfachmedikation ab einem bestimmten Bedarf an Dauermedikamenten muss eine Leistungs- und Honorarposition „Medikamentenmanagement“ ggf. unter Einbeziehung der Apotheken entwickelt werden.

 


 

B6 Pflege

            Ausbau von Pflegepraxen im niedergelassenen Bereich

            Neue Leistungspositionen bei niedergelassenen Ärzten UND Pflegeberufen

            Ausbildungs- und Informationsprogramme für die Angehörigen fördern

Die menschlichste und zugleich kostengünstigste Art der Pflege ist eine möglichst lange Pflege in der gewohnten Umgebung des zu Pflegenden sowie eine möglichst lange Unterstützung der Pflege durch Angehörige, die das gerne möchten. In diesem Sinne sind alle Maßnahmen zu setzen, die diesen Weg fördern, anstatt die zu pflegenden Menschen so früh wie möglich in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu betreuen. Daher brauchen wir ein Bekenntnis zu Pflegepraxen sowie ein vernünftiges Leistungs- und Honorarsystem für niedergelassene Ärzte und Pflegeberufe. Angehörige müssen unter anderem durch Ausbildungs- und Informationsprogramme gefördert und unterstützt werden.