Presseaussendungen

Kritik am Wahlarztsystem durch Patientenanwalt zeugt von Unkenntnis und politischer Befangenheit

Die Zwei-Klassen-Medizin ist politisch vorgegeben und somit eindeutig nicht durch Ärzteschaft und Krankenkassen verursacht

LAbgt. Herbert Machacek

St. Pölten (OTS) - „Wahlärzte als sinnvolle Ergänzung des Kassensystems sind seit mehr als 60 Jahren durch die Weichenstellung der Bundespolitik in Österreich etabliert“, so die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn (BürgerLandtag). „Führende Ärztekammer- und Krankenkassenfunktionäre - die zum Entstehungszeitpunkt des Wahlarztsystems zum Großteil selbst noch nicht einmal geboren waren - für dieses System verantwortlich zu machen, ist grotesk und entbehrt jeder Kenntnis des Gesundheitssystems in Österreich und dessen Entwicklung.“

Dr. Von Gimborn reagiert mit diesen Aussagen auf die Kommentare des NÖ Patientenanwalts Dr. Bachinger in Rundfunk und Printmedien, wonach gerade die Ärztekammer als Vertreter der Ärzteschaft einige Monate vor der Kammerwahl von der allgemeinen Meinung über Wahlärzte „ausschere“ und aus reinen Verdienstgründen das Wahlarztsystem verteidige. „Der Vorstoß des SPÖ-Gesundheitssprechers Spindelberger wurde selbst in der eigenen Partei als „Privatmeinung“ gewürdigt, die Vertreter der anderen Parteien haben sich geschlossen mit fast gleichlautenden Kommentaren für den Erhalt des Wahlarztsystems ausgesprochen. Der Einzige der hier wirklich ausschert, ist der so genannte Patientenanwalt.“

Unter den bestehenden gesundheitspolitischen Voraussetzungen ist das Wahlarztsystem eine sehr gute Alternative

MR Dr. Herbert Machacek, Abgeordneter im Landtag (BürgerLandtag) und selbst Allgemeinmediziner analysiert die Situation: „Wir brauchen die Wahlärzte, ohne Wahlärzte würde das System zusammenbrechen. Wahlärzte sind auch grundsätzlich im bestehenden System eine wertvolle Ergänzung. Allerdings darf es nicht sein, dass die „Wahl“ eines Wahlarztes zur „Pflicht“ wird, weil die Kassenmedizin ausgehungert wird“, so Dr. Machacek.

Und diese Gefahr besteht. Denn die Kassenmedizin läuft Gefahr, von der Bundespolitik ausgehungert zu werden. „Man kann den Krankenkassen und den Ärztekammern sicherlich so manches vorwerfen. Aber sie unterliegen den gesetzlichen Regelungen. Und solange es keine Finanzierung aus einer Hand und eine damit verbundene massive Aufwertung der Kassenmedizin gibt, haben diese beiden Vertragspartner nur ein streng limitiertes Budget zur Verfügung. Und unter diesen Voraussetzungen ist das Wahlarztsystem eine sehr gute Alternative.“ Es ist grotesk, wenn ein „Patientenanwalt“ seinen Mandanten eine Wahlmöglichkeit wegnehmen möchte.

„Für die Patienten ist diese Wahlmöglichkeit daher ein Segen“, so Dr. Von Gimborn weiter. „Die günstigen Kassentarife lassen sich nur durch einen genau geregelten Stellenplan und volle Auslastung der Ordinationen erzielen. Der Patient profitiert daher durch niedrige Versicherungsbeiträge und hat aber trotzdem die Möglichkeit, sich bei einem Wahlarzt mehr Zeit für die Behandlung zu gönnen. Zeit, die eine Kassenmedizin gar nicht zur Verfügung stellen kann. Und man bekommt sogar den finanziellen „Kassenanteil“ ersetzt.“ Aus Ihrer Sicht ist es daher grotesk, dass gerade ein Patientenanwalt seinen „Mandanten“ diese Möglichkeit wegnehmen möchte. „Damit würde die medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich massiv verschlechtert. Es sei denn, wir ändern das bundesweite Gesamtsystem. Doch das ist leider in naher Zukunft nicht zu erwarten.“

„Patientenanwalt“ Dr. Bachinger beweist mit seinen Aussagen nicht nur grobe Unkenntnis der Materie. Er vergreift sich gegenüber der gesamten Ärzteschaft auch bei der Wortwahl, in dem er Wahlärzten Geldgier und Kassenärzten zweitklassige Medizin vorwirft. „Und er zeigt mit seinen Vorschlägen zur Reformierung des Gesundheitswesens auch ganz deutlich, dass er kein Anwalt der Patienten ist, sondern ein parteinaher und somit befangener Dienstnehmer einer Institution, die ganz eigene, und zwar der Patientenschaft entgegengesetzte Interessen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Gesundheitspolitik hat“, findet Dr. Von Gimborn deutliche Worte.

Wir brauchen keine weitere Überbürokratisierung, sondern einen Umbau des Finanzierungssystems

„Eine sinnvolle Weiterentwicklung des Systems geht aus unserer Sicht nicht über anonyme, vom Patienten weit entfernte „multiprofessionelle Einrichtungen“ wie sie sich Dr. Bachinger vorstellt“, analysiert Dr. Machacek. „Wir brauchen keine weitere Überreglementierung der Verwaltung, die Unsummen an Geld vernichtet. Wir brauchen einen Umbau des Systems in Richtung Finanzierung aus einer Hand. Und wir müssen grundsätzlich am Kassensystem zur Basisversorgung festhalten. Denn nirgends sonst gibt es diese umfassende Versorgung zu diesem günstigen Preis.“

Und zu diesem Kassensystem gehören die Wahlärzte als Service für die Patienten derzeit unverzichtbar dazu. „Wir wünschen uns jedoch eine Vereinfachung der Abrechnung und die Einführung der „echten“ 100%-Regel, wie das in anderen Bundesländern teilweise der Fall ist. Das bedeutet, dass der komplette vergleichbare Honorarsatz der Krankenkasse beim Wahlarztbesuch ersetzt wird. Sinnvoll wäre es aus unserer Sicht auch, den Wahlärzten eine Teilnahme am Bereitschaftsdienst bei direkter Abrechnung mit GKK zu ermöglichen“, so Dr. Machacek abschließend.

Der Verein „Patientenlandtag“ hat ein gesundheitspolitisches Konzept erarbeitet, welches auf Basis eines solidarisch finanzierten Gesundheitssystems mit freiberuflichen Kassenärzten und freier Arztwahl aufgebaut ist. Diese Versorgung im niedergelassenen Bereich ist mit großem Abstand die medizinisch sinnvollste, günstigste und patientenfreundlichste und muss daher ausgebaut und verbessert statt weiterhin Stück für Stück zugrunde gerichtet werden. „Patientenlandtag“ steht für eine flächendeckende, hochwertige, wohnortnahe Basisversorgung im niedergelassenen Bereich, in den Spitälern sowie beim Notfallmanagement. Und zwar für 100 Prozent der Bevölkerung, und nicht nur in den Ballungsgebieten.

Mehr Information unter www.patientenlandtag.at

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160810_OTS0013/kritik-am-wahlarztsystem-durch-patientenanwalt-zeugt-von-unkenntnis-und-politischer-befangenheit

 

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