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BERICHT ÜBER EINE PRESSEREISE ZUM THEMA HAUSARZTMODELL

Hausarztmodell

CONSILIUM 11/16
Dr. Martina Hasenhündl
Kurienobmann-Stellvertreterin der niedergelassenen Ärzte

Hausarztmodell: Sind die Ansätze in Baden-Württemberg auf NÖ übertragbar?
https://cms.arztnoe.at/cms/dokumente/1021231_246014/9ced21ec/ngl-aerztemangel_consilium-1116.pdf

 

 

Gesundheitsgespräche 2016

Dr. Gabriele Von Gimborn MPH und Dr. Herbert Machacek luden am 12.10. zu einem weiteren Gesundheitsgespräch zum Thema „2-Klassen-Medizin - (k)ein Mythos?“ ein.

Namhafte Experten diskutierten das Thema und waren sich einig „2-Klassen-Medizin ist kein Mythos – es ist Realität“.

Univ. Prof. Dr. Schwarz Bernhard ( Public Health d. Med. Uni Wien, Karl-Ladensteinergesellschaft) hob den unterschiedlichen Zugang  zu den med. Leistungen hervor und vorallem die unterschiedlichen Leistungs-und Tarifkataloge der Sozialversicherung speziell bei ASVG-Versicherte. „Früher hat man in der Gesundheitsversorgung nie über Geld gesprochen, jetzt regiert das Thema Geld.“

PD Dr. Andreas Klein (Ethiker Uni Wien) kritisierte die Wartezeiten im Bereich Diagnostik, die u.U. nicht nur den Krankheitsverlauf beschleunigen, sondern auch enormen psychischen Stress verursachen, was als Ethiker nicht zu vertreten ist. Das Thema Gerechtigkeit und Transparenz fehlt schon seit langem. Weiters stellt sich die Frage, wer den §133 ASVG interpretiert: „ Was ist ausreichend, zweckmäßig und was überschreitet das „Maß des Notwendigen“?

Mag. Jürgen E. Holzinger (Obmann „Chronisch Krank“) brachte es auf den Punkt. Patienten kommen nur zu ihrem Recht, wenn sie auf ihre Leistungen beharren, sprich einen Bescheid bei der Kasse anfordern (2/3 der Patienten bekommen, dann sofort die Leistung) oder Beziehungen haben. Die Kassen handeln willkürlich, unterschiedlich und sehen nicht den Patienten, sondern nur das Geld. „Die Ungleichheiten haben in den letzten Jahren extrem zugenommen“. Chronisch Kranke kämpfen um ihre Existenz und haben kein Geld für Privatmedizin.

Dr. Reisner Christoph Msc (Präsident der NÖ Ärztekammer) sieht die Notwendigkeit von Kassen- und Wahlärzten. Kritisierte vorallem den geltenden Leistungskatalog der weder der modernen Medizin noch den tatsächlichen Aufwendungen und Zeit der Ärzte entspricht.

Labg. Dr. Machacek Herbert fordert das die Güte der medizinischen Versorgung nicht von der beruflichen oder sozialen Situation abhängig sein darf und neben einer Finanzierung aus einer Hand dringend eine Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger erforderlich ist.

Labg. Dr. Gabriele von Gimborn MPH fordert eine offene, transparente und ehrliche Diskussion über die Frage „ Was wollen/können wir uns noch leisten?“ Spitalsbauten, wie im Süden von NÖ, sind vielleicht Denkmäler für manche Politiker, aber keine effektive Versorgung für den Patienten. „Es soll doch der Patient und nicht der Politiker im Mittelpunkt stehen!“

NACHBERICHT

St. Pölten (OTS) - „In unserem Gesundheitssystem ist die „2-Klassen-Medizin“ derzeit ein negativ besetztes politisches Schlagwort, mit Hilfe dessen von einigen Seiten bewusst kommuniziert wird, dass die Güte der medizinischen Versorgung angeblich davon abhängig sei, in welchem sozialen Status „sich ein Patient befindet“, so die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn (BürgerLandtag) anlässlich der prominent besetzten Enquete vom Vortag zu diesem Thema.

Diese Diskussion ist aus ihrer Sicht nicht nur irreführend, sondern auch nicht zielführend. „Sie ist sogar kontraproduktiv. In Österreich gibt es noch immer eine sehr gute medizinische Versorgung, die für alle, also unabhängig von den finanziellen Ressourcen des Patienten erfolgt. In Notfällen, bei operativen Eingriffen oder anderen größeren Inanspruchnahmen des Gesundheitssystems gilt noch immer das solidarische Gleichheitsprinzip: Alle Patienten und Kranken werden gleich gut medizinisch versorgt“, so Dr. Von Gimborn.

Freiwillig wählbar oder Zwang – ein wesentlicher Unterschied

Der Unterschied zur zusätzlichen Privatversicherung oder der Inanspruchnahme eines Privat – bzw. Wahlarztes durch Selbstzahlung liegt aus Sicht von Dr. Von Gimborn vor allem darin, dass man sich Termine besser auswählen kann und dass man mehr „Zuwendungsmedizin“ hat, die von den Sozialversicherungen nicht entsprechend honoriert wird. „Ein großer Teil der so genannten 2-Klassen-Medizin spielt sich im Bereich von Therapien ab, die nicht im Leistungskatalog enthalten sind, die aber vom Versicherten nachgefragt werden.“

Entscheidend bei der Diskussion muss jedoch die Frage sein, ob man freiwillig zwischen den Klassen wählen kann oder ob die finanziellen Voraussetzungen dafür entscheidend sind, in welche medizinische Klasse man fällt. „Und diese Entscheidung bzw. die Gestaltung des Weges dahin liegt in der Hand der Politik und in weiterer Folge der Sozialversicherungsträger.“

„Gute“ und „schlechte“ 2-Klassen-Medizin

MR Dr. Herbert Machacek, ebenfalls Abgeordneter im Landtag (BürgerLandtag) und Allgemeinmediziner ist der gleichen Ansicht:
„Wenn in einem öffentlichen Gesundheitssystem alle notwendigen Leistungen für alle zur Verfügung stehen und es zusätzlich, für ein Übersteigen des Notwendigen und Zweckmäßigen ein Angebot auf freiwilliger Selbstzahlerbasis gibt, dann kann man natürlich von 2-Klassen-Medizin sprechen. Aber so eine „gute“ 2-Klassen-Medizin – wie sie unser Wahlarztsystem bisher darstellte – ist nicht problematisch, sondern ein wirklich vernünftiges Zusatzangebot.“

Dr. Machacek erläutert: „Wenn jedoch unterschiedliche Leistungen zur Verfügung stehen, die vom Versicherten nicht beeinflusst werden können, dann wird 2-Klassen-Medizin problematisch. Und diese „schädliche“ 2-Klassen-Medizin gibt es, erstaunlicherweise wird das gerade von den Sozialversicherungen verneint. Diese 2-Klassen-Medizin ist hausgemacht, und zwar durch unser unzumutbar aufgefächertes politisch gewolltes System der Sozialversicherungen verursacht.

Die Kosten laufen aus dem Ruder

Die Gesellschaft muss aus seiner Sicht jedoch aufpassen, dass der Besuch des Wahlarztes keine Alternative zur „Nicht-Behandlung“ wird. „Wenn also nur noch über Wahlärzte ein vernünftiger Zugang zur Medizin im niedergelassenen Bereich besteht, dann müssen wir aufschreien. Das wäre „schädliche“ 2-Klassen-Medizin. Um das zu verhindern würden einfache Maßnahmen der Krankenkassen genügen, beispielsweise eine Aufhebung der Limitierungen und Deckelungen.“

Warum greifen die Kassen überhaupt zu solchen Maßnahmen? „Weil sie ansonsten ihre Kosten nicht in den Griff bekommen“, so Dr. Machacek weiter. „Und das scheint in unserem System der dualen Finanzierung notwendig zu sein, denn die Folgekosten durch im niedergelassenen Bereich vermiedene Leistungen spielen groteskerweise keine Rolle. Und genau das müssen wir ändern. Wenn wir weiterhin eine Zersplitterung des Gesundheitssystems zulassen, ohne dass das Gesamte betrachtet wird, dann lassen wir es zu, dass das ganze System früher oder später in sich zusammenbricht.“

Wer ein gerechtes, leistungsfähiges Gesundheitssystem für alle aufbauen bzw. erhalten und dabei die „schädliche“ 2-Klassen-Medizin verhindern möchte, der braucht
- eine Verbesserung des Kassensystems;
- die Aufhebung von Deckelung und Limitierungen;
- eine leistungsgerechte Honorierung;
- einen modernen Leistungskatalog;
- die Entbürokratisierung des Kassensystems;
- die Aufwertung der Allgemeinmediziner;
- die Möglichkeit schlanker ärztlicher Kooperationsformen; - die Einführung eines Hausarztmodells mit Patientensteuerung;
- letztendlich die Finanzierung aus einer Hand in ganz Österreich.

Wir brauchen jedoch keine
- geldvernichtenden Bürokratiemonster wie ELGA in der derzeitigen Form.
- neuartigen, staatlichen Gesundheitszentren, die ohne medizinischen Mehrwert ein Zigfaches der derzeitigen Versorgung im niedergelassenen Bereich kosten.