was wir tun

Medizin ist kein Wettlauf

Krankheitssymptom:
Dokumentationsaufwand, Patientenansturm auf Spitalsambulanzen, Versorgungslücken im niedergelassenen Bereich, Unzufriedenheit

Leidtragender: Arzt und Patient

Die drohende Pensionswelle bei den Medizinern, 14 Kassenplanstellen ohne Bewerber, hoher Aufwand für Patientendokumentation, der steigende Zeitdruck, das Ansteigen der Ambulanzfälle – das niederösterreichische Gesundheitswesen hat momentan leider mit vielen Problemfeldern zu kämpfen.

Gingen vor zwei Jahren knapp mehr als 100 Mediziner in Rente, werden es 2017 bereits 280 Ärzte sein, die Nachfolger suchen. Eine Umfrage des Kremser Orthopäden Andreas Stippler zeigt, dass 48 Prozent der 1900 befragten Mediziner mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, 54 Prozent meinen, diese hätten sich in den letzten Jahren verschlechtert.

Seit dem Jahr 2002 steigt die Belastung durch Zeitdruck und vermehrte Administration kontinuierlich an. 45 Prozent der Spitalsärztinnen und –ärzte fühlen sich durch den steigenden Zeitdruck belastet oder stark belastet. Ärzte verbringen heute deutlich mehr ihrer Arbeitszeit mit administrativen Tätigkeiten als noch vor ein paar Jahren.

Auch der praktische Arzt Erich Haidererl, der fast 34 Jahre lang im Bezirk Krems eine Praxis geführt hat, kritisiert die derzeitige „Software-Diktatur“, denn nach ihm bräuchte man medizinisch drei Mitarbeiter, muss aber fünf beschäftigen, um die Verwaltung zu bewältigen. Seiner Meinung nach haben die Kassen außerdem durch Mystery-Shopping das Vertrauen zwischen Arzt und Patienten zerstört. So rottet man den Landarzt aus.

Unzufriedener als früher sind Ärztinnen und Ärzte heute auch mit den wenigen Möglichkeiten, über Arbeitsabläufe selbst entscheiden zu können.

Übrig bleibt aber unter dem Strich vor allem der Patient. Unsere Forschung hat in den letzten Jahren so viele Fortschritte gemacht, was fehlt ist aber die Zeit sich mit dem Patienten zu beschäftigen, die Zeit zuzuhören, die Zeit für die Pflege.

Wir sind der Meinung, dass unser Gesundheitssystem nicht kaputtgespart werden darf. Medizin ist kein Wettlauf, sondern benötigt vor allem Geduld und Zeit. Wir brauchen zufriedene, gesunde Ärzte, die Freude an der Arbeit haben, und so ihre Berufung erfüllen können - nämlich Menschenleben zu retten.